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Coming Out
Ungefähr mit 12 Jahren fand ich heraus, dass ich schwul bin, begeistert war ich
aber nicht davon. "Das ist doch nicht richtig, das ist dreckig, ich bin krank"
dachte ich. Ich wollte es nicht wahr haben und habe es verdrängt. Dieses
Verdrängen hat dazu geführt, dass ich mich total von der Außenwelt abgekapselt
habe, es hat keiner gemerkt. Familie nicht und auch Freunde. Es war eine
traurige und einsame Zeit und ich fühlte mich sehr allein. Ich weis noch gut,
wie oft ich mich Nachts in den Schlaf geweint habe, ich fühlte mich dreckig.
Dann, an einem Abend war ich allein zu Hause und habe fern gesehen, es lief eine
Sendung mit Georg Uecker (Lindenstraße). Er erklärte, dass schwul sein keine
Krankheit ist und sich niemand deswegen zu schämen braucht. Das gab mir wieder
neuen Mut, aber akzeptieren konnte ich es immer noch nicht. Mein Geheimnis blieb
bei mir und trotz neu gefasstem Mut traute ich mich nicht, mit jemandem darüber
zu reden. Ich hatte zuviel Angst ,was die anderen dazu sagen. Die Angst, dass es
meine Eltern bzw. meine Familie nicht verstehen, war zu groß.
Mit 15 lernte ich dann durch eine Freundin namens Julie, ein Mädchen namens
Sophie kennen. Wir haben uns gleich gut verstanden und wurden in kürzester Zeit
gute Freunde. Ungefähr nach 2 Monaten kam dann Julie zu mir und fragte, ob ich
mit Sophie gehen würde. Ich dachte, dadurch könnte ich vielleicht den Absprung
schaffen um Hetero zu werden oder alles zu vertuschen und stimmte zu. Die
Beziehung hielt aber nicht sehr lange, sie machte Schluss, weil, soweit ich
weis, ich mich zu wenig um sie gekümmert habe. Wenn andere sich in eine Ecke
verzogen haben, habe ich mit ihr da gesessen und wusste nicht, was ich tun
sollte. Von da an wusste ich, dass ich es nicht länger verdrängen kann und habe
endlich akzeptiert, schwul zu sein!
Nach den großen
Sommerferien 2000 bekamen wir einen neuen Schüler auf die Schule namens Ben. Er
war total süss, hatte blaue Augen und schwarze Haare. Ich glaube ,es war Liebe
auf den ersten Blick. Ich habe mich mit der Zeit immer besser mit ihm verstanden
und auch immer mehr in ihn verliebt. Ich wollte unbedingt mit ihm
zusammen kommen. Aber es bahnte sich mit dieser Liebe auch ein Problem an. Wie
sollte ich ihm sagen ,dass ich schwul bin und ihn liebe? Ich wusste mir nicht zu
helfen und zerfiel so langsam in Selbstmitleid. Ich musste meine Gefühle
verstecken, weil meine Angst zu groß war. Ich machte mir auch Sorgen ,dass ich
nie einen Freund finden würde weil ich es ja niemandem sagen konnte. Das alles
tat mir sehr weh und ich wollte mit allem abschließen, auch mit meinem Leben.
Aber als ich nach
meinem 17 Geburtstag einen Internetzugang bekam, änderte sich das alles und ich
bekam endlich Kontakt zu anderen Schwulen. Auch wenn es nur im Chat war, für
mich war es ein wichtiger Schritt. Ich entdeckte den Chat-Room "Christopher-Street"
und dort redete ich mit vielen Leuten über das Thema Nr.1, nämlich das Coming
Out. Ich lernte dort einen ältern Herrn kennen, mit dem ich sehr viel über
dieses Thema redete. Nach einiger Zeit merkte auch er, dass mir das alles zu
schaffen machte und er hatte damit recht! Ich bat ihn um Hilfe und er gab mir
diese auch. Weil ich mich nicht traute es meinen Eltern ins Gesicht zu sagen,
beschloss ich, einen Brief zu schreiben und es ihnen dort zu erklären. Außerdem
ging ich noch zu meinem Arzt und bat ihn, meine Eltern aufzuklären. Nach dem ich
dies getan hatte, holte er mich ab. Er gab mir die Sicherheit für den Fall, dass
meine Eltern es nicht verstehen würden, könnte ich bei ihm wohnen. Ich
verbrachte bei ihm eine Nacht und am nächsten Tag rief ich meine Eltern an und
fragte ,wie sie dazu stehen. Sie sagten, das ich bitte sofort wieder nach Hause
kommen solle, weil sie mich so lieben wie ich bin. Ich war so erleichtert und
froh, das sie es verstehen und auf einmal war die Angst weg und ich fühlte mich
frei. Zuhause angekommen redeten wir lange, es war ein komisches Gefühl, aber
auch ein schönes. Sie waren nur etwas sauer, weil ich abgehauen bin, wo ich
ihnen auch zustimmen muss. Das war vielleicht ein Fehler, aber ich bereue ihn
nicht!
Außer meinen
Eltern wusste es bis jetzt keiner, aber das änderte sich bald.
Von 30.09.2003 bis
26.11.2004 ging ich auf eine Berufsfachschule in Kriftel (Hessen) und dort
lernte ich ein ganz liebes Mädchen namens Nadine kennen. Wir standen eines Tages
in der Pause mit den anderen zusammen und da erzählte sie, dass sie lesbisch
sei. Ich war erst vor den Kopf geschlagen, aber dann fand ich es cool; endlich
jemand mit dem ich mich gut verstehe und der auch mich versteht. Kurz drauf
sagte ich es auch ihr und sie hat sich tierisch gefreut, ich wusste auch, dass
es bei ihr gut auf gehoben ist, weil ich mich erst nicht komplett in der Schule
bzw. Klasse outen wollte. Gut eine Woche später hatten wir, die ganze Klasse,
dann 2 Freistunden und haben alle draußen auf dem Schulhof gesessen und geredet.
Wie wir auf das Thema Lesbisch/Schwul kamen, weis ich auch nicht mehr, aber auf
jeden Fall sagte Nadine sie sei lesbisch und ein anderes Mädchen sagte, dass sie
bi sei. Darauf sagte dann Nadine ,dass wir voll die geile Klasse seien und noch
einen Schwulen in der Klasse haben. Es wurde natürlich gefragt, wer das sei und
da sagte ich: "Ich bin es". Das ging so schnell, ich selbst habe es noch nicht
mal gemerkt ,aber es kamen zum Glück nur positive Reaktionen, die ich auch bis
jetzt nur erfahren habe.
An dieser Stelle
möchte ich mich noch bei diesem Mann, der mir bei meinen Coming Out geholfen hat
,bedanken. Ohne ihn hätte ich es vielleicht nie geschafft. Ich werde nie
vergessen, was er für mich getan hat, DANKE!
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